Die guten Secus – Warum wir immer noch Awareness-Teams brauchen

Dieser Beitrag wurde von unserer Gastautorin Paula Irmschler verfasst. Sie kommt aus Ostdeutschland, wohnt in Köln, arbeitet in Clubs und schreibt u.a. für „Neues Deutschland“

„Wenn du Stress mit jemandem hast, melde dich doch einfach bei der Security, die ist gut genug ausgebildet für solche Sachen“ – so ungefähr lautet ein gängiger Vorschlag von Leuten für den Umgang mit sexuellen Übergriffen, denen Awareness-Teams zuwider sind, die feministische Bestrebungen für den Schutz von Frauen auf Partys übertrieben finden und die gendersensible Sicherheits-Konzepte für Hokuspokus halten.

Ich arbeite seit drei Jahren im Nachtleben, in verschiedenen Clubs, deren Security sich als „links“ oder zumindest „weltoffen“ begreift. Das ist nur eine kleine Auswahl von dem, was ich in nahezu jeder Schicht gehört oder erlebt habe.

(Content-Warnung: Relativierung sexueller Gewalt)

  • Eine Frau beschwert sich bei dem Türsteher, weil sie im Club verfolgt und angefasst wird. Der Türsteher sagt: „Du nimmst doch jedes Wochenende einen mit, warum willst du bei dem jetzt eine Ausnahmen machen?“

  • Ein Mann, der mich nachts nach einer Schicht auf meinem Heimweg verfolgt und fast in einen Busch gezogen hat, taucht erneut im Laden auf. Ich sage zu dem Türsteher, dass er bitte sofort verschwinden soll, er habe mir etwas antun wollen. „Noch hat er ja nichts gemacht an diesem Abend“, entgegnete dieser – damit war das Thema erledigt.

  • Ein Mann beschwert sich, weil niemand mit ihm flirten mag. Der Türsteher erklärt ihm: „Das musst du verstehen, die deutschen Mädels haben eher einen Stock im Arsch. Versuch es einfach weiter.“

  • Ein weiblicher Gast beschwert sich bei mir, weil sie gehört hat, wie ein Türsteher mit seinem Kollegen „gewitzelt“ hat: „Na, du magst die Frauen wie die Polizei, oder? Grün und blau!“

  • Türsteher sagt zu mir: „Ich verstehe bei manchen Frauen die Angst vor k.O.-Tropfen echt nicht. Da sind oft welche dabei, die ich nicht mal mit der Kneifzange anfassen würde.“ Auf meine Frage, wie er denn wissen könne, welches Aussehen eine Frau haben muss, um Betroffene einer sexuellen Gewalttat zu werden, entgegnet er, er könne sich ja nicht in Vergewaltiger hineinversetzen. Tja, er kann Frauen zumindest in vergewaltigbar und nicht vergewaltigbar einteilen. Also genau das, was Vergewaltiger tun.

  • Türsteher zeigen sich an der Tür geleakte, sprich unautorisierte, sprich private Bilder von weiblichen Berühmtheiten, verschaffen sich also ungefragt Zugang zum Körper einer Person.

  • Plus unzählige Kommentare zum Äußeren der weiblichen Gäste, über das Benutzen von Pfefferspray und unangebrachte Tipps im Umgang mit Tätern und Relativierungen des Erlebten beziehungsweise Nichternstnehmen.

Also fragt Frauen noch einmal, warum sie sich bei Belästigungen nicht an die Security wenden. Oder fragt endlich Türsteher, wann sie mal checken, dass Frauen wie Menschen zu behandeln zu ihrem Job gehört. Solange das nicht angekommen ist, muss es eben Awareness-Teams geben.

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