FICKO http://ficko-magazin.de Magazin für gute Sachen. Und gegen schlechte. Thu, 25 Aug 2016 12:21:46 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.6 Apfelfront-Aktivist vor Gericht: „Ich fühle mich kriminalisiert für mein demokratisches Engagement.“ http://ficko-magazin.de/apfelfront-aktivist-vor-gericht/ http://ficko-magazin.de/apfelfront-aktivist-vor-gericht/#comments Thu, 25 Aug 2016 06:50:06 +0000 http://ficko-magazin.de/?p=653 Leipzig. Heute findet um 12:30 Uhr am Landgericht Leipzig der Strafprozess wegen Körperverletzung gegen Tom R. statt. In der ersten Instanz wurde der langjährige...

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Leipzig. Heute findet um 12:30 Uhr am Landgericht Leipzig der Strafprozess wegen Körperverletzung gegen Tom R. statt. In der ersten Instanz wurde der langjährige Apfelfront-Aktivist vom Amtsgericht Leipzig für das Verletzen der Polizeibeamtin Sarah H. Anfang des Jahres für schuldig befunden.

Sich über zehn Jahre für gewaltfreien Protest auf Demos einsetzen, und zum Dank von der Polizei wegen einem angeblichen Tritt in den Rücken angeklagt werden: Sachsen macht’s möglich. Am heutigen Tag geht der Prozess hinter diesem Vorwurf in die Berufung.

Am Rande der LEGIDA-Demo am 2. März 2015 soll es passiert sein: Tom R. war im Rechercheauftrag der Front Deutscher Äpfel unterwegs – einem Kunstkollektiv, das sich seit über zehn Jahren mit künstlerisch-satirischen Mitteln gegen nationalistische Umtriebe einsetzt. Die Apfelfront hat schon längst auch außerhalb von Demozirkeln mediale Bekanntheit erlangt und fand ihren Weg in polizeiinterne Schulungen der gesamten Bundesrepublik. Insgesamt reagierte die Polizei meist wohlwollend auf die Apfelfront, da diese Gewaltanwendung gegen Menschen im Demokontext stets als strategisch fragwürdig verstand, dies öffentlich bekundete und somit deeskalierend auf die gesamte Demosituation wirkte.

Insofern verwundert es nun, ein langjähriges Mitglied dieses Kunstkollektivs vor Gericht zu sehen. Zusammen mit einem Kameramann verfolgte Tom R. das Demogeschehen.

Zwar war er in zivil unterwegs – wie bei Apfelfront-Recherchen üblich. Doch hätte spätestens bei der ersten Verhandlung seine über zehnjährige Tätigkeit in diesem Kollektiv doch das ein oder andere Fragezeichen provozieren müssen.

FICKO: Kurz vorweg – ist das Ganze ein elaborierter Apfelfront-Prank, oder passiert das ernsthaft?

Tom R.: Schön wäre es ja. Man könnte das bei der Absurdität auch behaupten. Aber das stimmt so nicht, das alles findet tatsächlich statt. Ich sehe mich im Angesicht einer beträchtlichen Strafzahlungsandrohung. Und primär einem Urteil, das gegenüber einem Unschuldigen gesprochen wurde. Dem stehe ich verwundert gegenüber und stelle mir natürlich die Frage zu einer gerechten Beurteilung des Ganzen.

Die, die dich kennen, konnten es sich selbst beantworten, aber für alle anderen nochmal: Warst du’s?

(Schallendlaut) Nein! Ich war es nicht. Ich betone hiermit noch einmal meine Unschuld.

tom the bom

Wie lief die Urteilsfindung im ersten Prozess vorm Amtsgericht ab?

Der erste Prozess lief unter Beteiligung von vier Zeugen. Davon waren drei Polizeibeamte, unter anderem die Polizistin Sarah H., die verletzt wurde. Außerdem ein Zeuge von mir. Alle vier haben ihre Aussage getätigt, wobei man das Gefühl hatte, dass den Polizeizeugen seitens des Gerichts mehr Sicherheit in der Einschätzung der Lage zugesprochen wurde. Ich hatte das Gefühl, das die Aussagen meines Zeugen, mit dem ich durchgehend unterwegs war, mehr in Frage gestellt wurden, als die der anderen.

Das Urteil wurde maßgeblich dadurch begründet, dass die geschädigte Polizistin mich wiedererkannt habe. Das ist de facto unmöglich, da ich mich gar nicht zu dem Zeitpunkt am Tatort befunden habe, sondern 45 Minuten später anderswo aufgegriffen wurde. Sarah H. meinte, mich erst dann „zu 100%“ erkannt zu haben, als sie mich „wieder“ gesehen hat.

Als ich aufgegriffen wurde, machte ich den Fehler, einen witzig gemeinten Spruch loszulassen: „Ach, wegen vorhin“. Damit meinte ich einen Demoausruf von mir. Der Satz wurde aber sofort als ein Zugeben des Körperangriffs ausgelegt, von dem ich zu dem Zeitpunkt noch überhaupt nichts wusste.

Auf dieser wackeligen Basis wurde ich schuldig gesprochen. Deswegen und besonders aufgrund meiner Unschuld habe ich mich entschlossen, in Berufung zu gehen.

Allgemein ist die sächsische Justiz ja durchaus als rechts-konservativ verschrien. Was sagst du dazu?

Mittlerweile kann ich diese Einstellung sehr gut nachvollziehen. Ich hätte es mir nicht träumen lassen, dass ich eines solchen Verbrechens bezichtigt werde – gerade weil ich einen performativ beschlagener FDÄ- und PARTEI-Aktivist bin, der schon jahrelang für gewaltlose Interaktion auf Demonstration einsteht.

Was kommt auf dich zu, wenn du verlierst? 

Ich wäre nicht vorbestraft, sollte ich schuldig gesprochen werden. Dennoch erwarten mich 90 Tagessätze á 30 Euro. Plus eine Reihe von Prozessnebenkosten, also Gerichtskosten, Anwaltskosten, Auslagen, plus ziviler Schadensersatzforderung vonseiten der geschädigten Beamtin, die sind bereits angekündigt. Summa summarum kommen 12.000-15.000 Euro zusammen, die ich, sollte ich verlieren, gänzlich selbst zu tragen hätte.

Wie fühlt sich das an?

Richtig belastend fühlt sich das an. Also von den Zweifeln, wie das Ganze ausgeht – bereits in den letzten 1,5 Jahren. Man ist ganz klassisch den Gerichten unschuldig ausgeliefert und steht gegenüber Polizeiaussagen, die grundsätzlich schwerer gewichtet werden. Und demgegenüber zu stehen, ohne meine Unschuld beweisen zu können und nur darauf hoffen zu können, dass es gut ausgeht, ruft ein großes Ohnmachtsgefühl hervor. Ich fühle mich kriminalisiert für mein demokratisches Engagement. Man denkt da schon an Kafka.

Für alle braven Antifaschist*innen: Wer hilft dir? An wen kann man sich wenden?

Grundsätzlich gibt es ja Institutionen, wie die Rote Hilfe, für sowas, die ich immer sehr empfehlen würde zur Orientierung. Ich habe mich auch an andere politisch Aktive gewandt und mich dazu beraten lassen, was überhaupt passieren kann. Und mir natürlich einen Anwalt besorgt. Wem es ähnlich gehen sollte, dem sei angeraten, sich auch an Aktivenbündnisse wie „No Legida“ o.ä. zu wenden. Ich bin ja nur einer von vielen.

Ich habe mich auch direkt an die Presse gewandt und mich an erster Stelle um Berichterstattung in der Lokalpresse bemüht, die die Apfelfront hierzulande ja kennen.

Plant ihr Solidaritätsmaßnahmen? Wie können engagierte Leser*innen von FICKO dich unterstützen?

Sollte ich den Prozess verlieren, stehen wie gesagt horrende Zahlungen an, die ich nicht in der Lage bin, selbst zu tragen. Daher wird es ein Spendenkonto geben, um die Prozesskosten zu tragen. Und natürlich streben wir als Apfelfront an, diesen Fall weiter zum Politikum zu machen und die sächsischen Verhältnisse erneut zu hinterfragen.

 

Das Gespräch wurde im Vorfeld des Prozesses von Linnéa Borealis und Max Upravitelev geführt.

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FICKO hat wieder eine Website http://ficko-magazin.de/ficko-hat-wieder-eine-website/ http://ficko-magazin.de/ficko-hat-wieder-eine-website/#respond Thu, 25 Aug 2016 01:25:00 +0000 http://ficko-magazin.de/?p=668 Ihr kennt das. Die Party ist angekündigt und man ist noch nicht fertig. So sind wir jetzt. Die Türen sind offen, der Kühlschrank wird...

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Ihr kennt das. Die Party ist angekündigt und man ist noch nicht fertig. So sind wir jetzt. Die Türen sind offen, der Kühlschrank wird heimgesucht, die Ersten haben schon in den Garten gekotzt und vier Boxen sind durchgebrannt, aber das Dach wird noch repariert, tragende Wände werden eingezogen und wir sitzen im Keller und löten Drähte. Aber ey, macht’s euch schon mal bequem, springt in den Pool und labt euch an der angenehmen Präsenz der anderen Gutmenschen! Das Fest möge beginnen, macht’s ja eh schon.Wir sind hardcore fröhlich über diesen Relaunch in Softness.

Wir werden die folgenden Tage munter Dinge freischalten, hier ist noch wenig so, wie es sein soll. Es gibt jetzt schon ein wenig was zu entdecken, die Podcasts nehmen ein paar Stunden ein, es gibt Artikel, ein ganz neues Interview und ab sehr bald noch sehr viel mehr.

Feiert schön, wir kommen gleich!

Die FICKO-Redaktion

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Der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrats der Muslime http://ficko-magazin.de/der-stellvertretende-vorsitzende-des-zentralrats-der-muslime/ http://ficko-magazin.de/der-stellvertretende-vorsitzende-des-zentralrats-der-muslime/#respond Thu, 21 Jul 2016 01:44:41 +0000 http://ficko-magazin.de/?p=687 Eine Illustration, wie weit hinein in die Gesellschaft der türkische Faschismus reicht [Longread]: Der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrates der Muslime heißt Mehmet Alparslan Çelebi....

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Eine Illustration, wie weit hinein in die Gesellschaft der türkische Faschismus reicht [Longread]:

Der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrates der Muslime heißt Mehmet Alparslan Çelebi. Sein Mittelname ist dem Gründer der Grauen Wölfe entlehnt. Çelebi ist Gründer des ATIB, einer Organisation, die vom Verfassungsschutz den Grauen Wölfen, einer rechtsextremen türkischen Nationalismus-Bewegung zugerechnet wird. Der Vater von Çelebi war dem Vernehmen nach Führer der Grauen Wölfe in Deutschland und Wegbegleiter ihres Gründers. Außerdem soll er die Tatwaffe für das Papst-Attentat 1981 besorgt haben.
Celebi trägt seinen Mittelnamen stolz.

Auf seinem Facebook-Profil droht Mehmet Alparslan Çelebi indirekt mit zivilen Unruhen in Deutschland, sollte man sich nicht auf die Seite der türkischen Nationalisten stellen: “Jeder in Deutschland sollte sicher sein, dass die Menschen, die ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben um einen Putsch zu verhindern, nicht zögern werden, das gleiche zu tun, wenn es um die innere Sicherheit in Deutschland geht. Über Loyalität kann jeder sprechen, aber wenn es hart auf hart kommt, trennt sich die Spreu vom Weizen.” Übersetzung: Kritik am türkischen Regime sieht er als Gefahr für die innere Sicherheit, da Rassismus. Und damit hat er recht: Anhängern eines intoleranten Despoten traue ich alles zu, auch die gewaltsame Niederschlagung berechtigter Kritik. Mit Spreu vom Weizen beschreiben viele türkische Nationalisten derzeit die “Säuberungen”. Wie so ein Spreu-vom-Weizen-trennen aussehen kann, erleben wir derzeit täglich. Einen Vorgeschmack, wie zivile Unruhen türkischer Nationalisten aussehen könnten, zeigten sie bei ihrer unangemeldeten Demo in Wien, wo kurdische Cafés vandaliert und Unbeteiligte verprügelt wurden.

Eine ähnliche Rhetorik kennt man auch von Pegida und der AfD. Warum darf ein türkischer Nationalist mit potenziellen Verbindungen zu Rechtsextremisten bei TEDx sprechen? Warum darf er die Politik beraten (u.a. Peter Tauber von der CDU)?

Mehmet Alparslan Çelebis Facebook-Pinnwand ziert ein weichgezeichnetes Porträt des Despoten Erdogan. Er vertritt nach außen durch den Zentralrat die muslimische Gesellschaft in Deutschland. Aber der Name des Verbandes täuscht. Anders als der Zentralrat der Juden spricht der ZdM nicht für die Mehrheit der Muslime in Deutschland, wird aber in der Öffentlichkeit durchaus so wahrgenommen. Mit 10.000 Mitgliedern gehören sie zu den kleineren Verbänden, leben aber von einer starken medialen Präsenz. Nahosthistoriker Guido Steinberg verortet den ZdM als gemeinsames Projekt der in Deutschland im Exil befindlichen Teile der syrischen und ägyptischen Muslimbruderschaft, die die Schaffung islamischer Staaten überall dort anstrebt, wo Muslime die Mehrheit stellen. Der Verfassungsschutz in NRW bewertete die Ideologie der Muslimbruderschaft 2006 als unvereinbar mit dem Grundgesetz. Der Zentralrat hat Wikipedia zufolge in Beiträgen wiederholt festgestellt, dass er Muslime nur dann den Gesetzen verpflichtet sieht, wenn diese im Einklang mit dem islamischen Glauben stehen. Der ZdM schätzt Denker wie al-Qaradawi, der die Todesstrafe für Apostaten, Ehebrecher und Homosexuelle fordert sowie Sayyid Qutb, der den Antisemitismus im Islam maßgeblich prägte. (Eine Stellungnahme Gümüsays zur Kritik ist unten verlinkt)

Muslimische Kritikerinnen und emanzipatorische Kräfte wie Sineb El Masrar versucht der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrates der Muslime gern mal mundtot zu machen, so unterstützte er unter anderem die Klage von Millî Görüş gegen ihr Buch Emanzipation im Islam. Er wertet muslimische Kritiker*innen des Islams ab: “Die Protagonisten der Anti-Islam-Bewegung, die meist türkischstämmig sind und all das gegen den Islam sagen dürfen, was dem einen oder anderen Populisten verwehrt bleibt, sind in diesem Fall die größten Gegner der Integration.” Eine Reformation des Islams hielt er in einer Bewertung des Positionspapiers “Für einen Islam mitteleuropäischer Prägung” für unnötig. Er ist sowas wie der Erika Steinbach der türkischen Gemeinde.

Apropos Millî Görüş: Der Bewegung werden antisemitische Charakterzüge unterstellt, die Organisation wird vom Verfassungsschutz als antidemokratisch eingestuft. Teile der AKP sind Träger der Bewegung. Der Gründer von Millî Görüş bezeichnete Juden als “Bakterien”. Er war einer der Mentoren von Erdogan. Die deutsche Sektion hat sich offiziell vom Antisemitismus distanziert. Für die deutsche Sektion stellte der Verfassungsschutz in Aussicht, dass sie aus der Beobachtung fallen könnte.

Wenige Stunden nach dem Putsch veröffentlichte Mehmet Alparslan Çelebi ein Loblied auf den niedergeschlagenen Putsch auf HuffPo. Er lobt alle, die sich “geschlossen hinter die Demokratie und den Staatspräsidenten” stellen. An Zynismus nicht zu überbieten. Die Demokratie in der Türkei ist nicht erst seit dem 15. Juli auf der Kippe. Bei Facebook verharmloste er die Selbstjustiz der türkischen Nationalisten. Betül Ulusoy, die die “Säuberungen” durch das Regime verteidigte und zurecht von Landsleuten und Demokraten kritisiert wird, springt er zur Seite und zündet inhaltlich Nebelkerzen, ohne dass er die Kritik entkräften kann. Zwischenzeitlich prangert er die Verlängerung des Ausnahmezustandes in Frankreich an. Man muss ihm glauben, er kennt sich mit Diktaturen bestens aus.

“Ankaras Rachefeldzug gegen Anhänger der Gülen-Bewegung hat Deutschland erreicht”, schreibt die FAZ und berichtet: Die “Union Europäisch-Türkischer Demokraten” ruft dazu auf, Erdogan-Kritiker als “Vaterlandsverräter” zu denunzieren. Eine entsprechende Telefon-Nummer wird mitgeliefert. Die UETD ist ein Ableger der AKP. Der Tagesspiegel nennt sie “Lobbyist der türkischen Regierungspartei AKP”. Bei Facebook droht die UETD offen der österreichischen Regierung. Sie betrachtet sich selbst als Vertretung aller Türken in Europa. Bei Anne Will beschwört ihr stellvertretender Vorsitzender antisemitische Verschwörungstheorien: “Zionistische Parallelstrukturen” seien Schuld daran, dass Erdogan eingreifen musste. Der stellvertretende Vorsitzende des Zentralrates der Muslime feiert bei Facebook Zingals Auftritt.

Ein weiterer Lautsprecher Erdogans ist der Unternehmer Remzi Aru. Keine Kritik an der Aussetzung des Rechtsstaates, dafür Geheule, wie sehr die Medien alles falsch interpretieren. Den Grünen-Politiker Cem Özdemir beleidigt er als “Haustürken“. Den Begriff prägte Kübra Gümüsay für unliebsame Kritikerinnen wie die Sozialwissenschaftlerin Necla Kelek. Natürlich darf man sowohl Cem Özdemir als auch Necla Kelek kritisieren. Aber wie Anatol Stefanowitsch festhielt, spricht der Begriff einer Necla Kelek die Legitimation ab, als Türkin und als Muslima zu sprechen. Ein bekanntes Vorgehen gegen Apostaten.

Aber zurück zu Çelebi und dem Zentralrat der Muslime. Vor einiger Zeit war Mehmet Alparslan Çelebi etwas traurig, dass sich niemand für die von ihm herausgegebene Abhandlung interessierte, die einem Muslim die Entdeckung Amerikas zuschrieb. Die Bundestagserklärung zum Genozid an den Armeniern verurteilte er natürlich. Deutschland habe seine Vorväter zu Mördern gemacht. Da macht jemand den Bock zum Gärtner.

Weder Mehmet Alparslan Çelebi noch der Vorsitzende des ZdM Aiman Mazyek haben sich bis heute von den faschistoiden Entwicklungen in der Türkei distanziert, der bislang über 58.000 Menschen zum Opfer fielen. Das Regime in der Türkei konnten sie aber durchaus in schnellen Erklärungen loben. Sie finden aber Zeit, Frankreich für die Verlängerung des Ausnahmezustandes zu kritisieren. Das gleiche gilt für DITIB und den Vorsitzenden des Islamrates Ali Kızılkaya, der die Pressemitteilungen der AKP, in der die mediale Darstellung des Regimes im Westen gerügt wird, unreflektiert teilt. Lob für die Niederschlagung, kein Wort über den derzeitigen Faschismus. Keine Solidarität mit Türk*innen, die mit Hass und Morddrohungen überzogen werden, dessen Familien in der Türkei Repressalien fürchten. Dass der ZdM von Erdogan-Anhängern unterwandert ist, gilt als offenes Geheimnis. DITIB wird gemeinhin als verlängerter Arm von Erdogan in Deutschland verstanden. Und auch der Vorsitzende des Islamrates beweist derzeit unverblümt seine AKP-Nähe.

Und das ist das Ergebnis einer oberflächlichen Recherche in den letzten Tagen. All das muss man in der Betrachtung der derzeitigen Ereignisse berücksichtigen. Es geht hier nicht um den Islam. Er ist – wie jede Religion – mit Sicherheit Teil des Problems, aber in der türkischen Krise grad eher ein Nebenschauplatz. Was wir hingegen erleben ist der Aufstieg des Faschismus und das neue Selbstbewusstsein seiner Anhänger in Europa. Und damit schließt sich der Kreis: DITIB betreibt die meisten sunnitischen Moscheen in Deutschland. Kaum vorstellbar, dass Erdogans Einfluss mit den Schuhen vor der Tür bleibt.

Ich bin überzeugt, dass die große Mehrheit der Menschen, die auf die genannten Institutionen vertraut, friedliebende, demokratische Bürger sind, die die türkische Diktatur ablehnen.

Ihre Wortführer sind es nicht.

(Gastbeitrag von J.S.)

 
Celebi

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FICKO-Netiquette http://ficko-magazin.de/ficko-netiquette/ http://ficko-magazin.de/ficko-netiquette/#respond Thu, 23 Jun 2016 15:06:20 +0000 http://ficko-magazin.de/?p=562 Ein paar ganz grundlegende Tipps, wie eure Kommentare freigeschaltet werden. Denn das Internet ist leider manchmal ein furchtbarer Ort voller Verachtung, das wollen wir...

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Ein paar ganz grundlegende Tipps, wie eure Kommentare freigeschaltet werden. Denn das Internet ist leider manchmal ein furchtbarer Ort voller Verachtung, das wollen wir nicht noch unterstützen. Daher wird bei uns so moderiert, dass interessante Diskussionen überhaupt entstehen können. Das heißt nicht, dass wir keine Kontroverse wollen, überhaupt nicht. Streit ist essenziell wichtig. Aber ein Mindestmaß an gegenseitigem Respekt gehört zur Gutmenschlichkeit dazu. Und die ist unser Anliegen. Wir wollen daher, dass sich auch Leute trauen, mitzureden, die noch nicht alles perfekt wissen, die interessiert sind, die nicht nur da sind, um in Gruppen auf andere loszugehen, sondern auch die Möglichkeit einschließen, etwas zu lernen. Außerdem gibt es auch Leute, die gar nicht kommentieren, sondern nur lesen und die wollen wir nicht mit sinnlosem Getrolle belästigen. Sondern sie mit hervorragendem Spitzenkommentarcontent von hell leuchtenden, grandiosen Gutmenschen dazu bringen, vor Freude zu jauchzen. Antje Schrupp macht das sehr gut und hat uns auch inspiriert.
Es gilt also: Wenn man sich an die Regeln hält, isch die Kommentarmoderation euer Freund.

1. Sich bemühen
Hilft immer, hilft auch dabei, dass ein Kommentar freigeschaltet wird. Nein, nicht alle können alles und kennen alle Begriffe, ja, wir alle machen Fehler. Wer aber gar nicht den Willen hat, zuzuhören und sich auf ein Argument einzulassen, es zu verstehen und dann darauf antwortet, gibt sich offenbar nicht genug Mühe. Versucht also einfach irgendwie deutlich zu machen, was euch ein Anliegen ist.

2. Ausformulieren
Nur einen Link hinklatschen: Nö. Niemand muss Romane schreiben, aber irgendwie den Kontext sollte man schon erläutern.

3. Ideen > Menschen
Es hilft, auf Argumentebene zu bleiben, wenn man die Idee kritisiert und nicht die Person.

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Kunst und Provokation: Sachen klauen http://ficko-magazin.de/kunst-und-provokation-sachen-klauen/ http://ficko-magazin.de/kunst-und-provokation-sachen-klauen/#respond Wed, 01 Jun 2016 07:09:06 +0000 http://ficko-magazin.de/?p=540 „How to provoke today?“ – mit dieser Frage eröffnete Alain Bieber vor zehn Jahren einen Vortrag zum Stand der subversiven Kunst. Seine Eingangsthese lautete, dass...

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„How to provoke today?“ – mit dieser Frage eröffnete Alain Bieber vor zehn Jahren einen Vortrag zum Stand der subversiven Kunst. Seine Eingangsthese lautete, dass das Mittel der Provokation längst von Marketingagenturen gefressen und zum Beispiel in Form von kostengünstigem guerilla marketing herausgespuckt wurde. Provokation als Kampfansage gegen die Verhältnisse habe einigermaßen ausgedient; selbst ein Dieter Bohlen ließ zu der Zeit seine aktuelle Duftmarke unter dem Titel „Provocation“ bewerben. Anschließend widerlegte der Begründer von rebelart.net seine eigene These und führte Beispiele an, wie subversive Provokation doch noch funktionieren kann.

Das war vor zehn Jahren. Heute scheinen sich ständig Leute von künstlerischen Mitteln irgendwie provoziert zu fühlen, seien sie Staatoberhäupter oder Besucher*innen von Kulturveranstaltungen. In der Hamburger Laeiszhalle reichte letztens schon ein kurzer Einspieler, in dem ein junger Geflüchteter seinen Freiheitbegriff reflektierte, um das Publikum zu Buhrufen zu provozieren. In Wien wurde ein Theaterstück gleich von Identitären gestürmt, weil dort Geflüchtete auf der Bühne standen.

Rechte zu ärgern ist allerdings verhältnismäßig einfach. Die schweigende Mehrheit hat heute längst viel zu sagen und empört sich über alles, was nicht in ihr Weltbild passt.

Schwieriger bleibt es, mit künstlerischen Mitteln gesamtgesellschaftlich zu provozieren – oder doch wenigstens im Kunstkontext. Zumal im Bereich der symbolischen Gesten das Mittel der Provokation bereits seit den Historischen Avantgarden durchgenudelt wird. An der Subversionsfront ist es heute recht ruhig geworden.

Aber doch, selbst im ach so krawallerprobten Kunstkontext lassen sich auch heute noch subversive Provokationen platzieren – wie es vor kurzem in Großbritannien vorgeführt wurde. Dort wurden Prankster verknackt, weil sie in einer Galerie uneingeladen einen Kunstraub inszenierten. Und damit eine kleine Massenpanik auslösten. Offenbar war das nicht die Intention der Prankster, wie sie vor Gericht reumütig bestätigten. Trotzdem verrät die Nummer nicht nur einiges über die paranoide Stimmung in Europa, sondern auch etwas über die Institution Kunst selbst: Auch in einem white cube ist längst nicht alles erlaubt. Aber es ist möglich, mit Grenzverhandlungen der Legalität zu provozieren – wie zum Beispiel die Reaktionen auf einen Artikel von urbanshit zeigen, der das Thema aufgriff. Der Tenor: Sicherheit statt Kunstfreiheit

 

prankster_kommentare

Das Publikum ist pissed. Quelle: FB-Kommentare beim urbanshit-Post.

 

Natürlich lässt sich fragen, was die Nummer mit Kunst zu tun haben soll. Auf diese Frage habe ich wenig Lust, weil sie wahnsinnig langweilig ist. Mir als Rezipienten kann die eigentliche Intention der Prankster ohnehin völlig wumpe sein, um die Aktion dennoch kunsthistorischen zu behandeln. (Und außerdem ist das hier eh mein Artikel; ich kann hier machen, was ich will. Zum Beispiel Alain Bieber grüßen. Hallo Alain Bieber!)

Aber was soll‘s: Selbstverständlich ist das Kunst. Sogar sehr gute Aktionskunst. Die nicht nur die sicherheitsfanatische Stimmung reflektiert, sondern auch die Eigentumsfrage von musealisierten Kunstwerken in Frage stellt. Und sich nebenbei in die Traditionslinie der Historischen Avantgarden und ihrem Ziel, der „Aufhebung von Kunst und Lebenspraxis“, stellt. Die Avantgarden eröffneten die Problemstellung, wie sich die Stellung und Funktionsweise von Kunst innerhalb der nächsten Gesellschaftsformation denke ließe, also wenn die bürgerliche Gesellschaft der Vergangenheit angehört. Und wie sich diese Kunst bereits im Jetzt erproben lässt. Damit operieren die Historische Avantgarde und ihre Nachfolgeprojekte automatisch mit Provokation, da sie Dinge dort tun, wo sie eigentlich nicht vorgesehen sind. Daher auch die ganze avantgardistische „Vorhut“-Geschichte: Avantgarde heißt Angriff, Angriff nach Vorn.

Das wiederum läuft zum Beispiel durch das Einreißen der Grenze zwischen Kunst und Alltag, in dem eine Galerie performativ überfallen wird. Etwas alltägliches, wie eben ein Überfall, drängt sich in den Kunstraum.

Andersherum wird natürlich auch rumgedoktert: 2014 überfiel ein Künstler eine Bank und behauptete im Anschluss, es handele sich um eine künstlerische Performance, also um den Einsatz künstlerischer Mittel in einem Alltagsraum. Er kam trotzdem ins Gefängnis. In die gleiche Kerbe schlug auch das Zentrum für politische Schönheit, wenn auch verhältnismäßig harmlos, als es 2014 Mauerkreuze entwendete. (An die Eingeweihten: Das mit der „Ästhetisierung der Politik“ ist natürlich fragwürdig. Wird an anderer Stelle nochmal aufgegriffen. Vielleicht.)

Jedenfalls zeigen diese Aktionen, dass das Mittel der Provokation heute vielleicht sogar auf mehr fruchtbares Material stößt, als vor zehn Jahren. Und das nicht nur bei den Rechten, sondern auch beim liberalen Kunst- und Kulturpublikum. Wahnsinnig gute Voraussetzungen für eine neue Welle an post-avantgardistischer Provokationskunst. Ganz besonders hübsch scheint es zu funktionieren, Sachen zu klauen. Na dann, auf geht’s.

 

Titelbild: Trollstation, Still von youtube.

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“Es riecht nach Revolution und einem neuen Führer” http://ficko-magazin.de/568-2/ http://ficko-magazin.de/568-2/#respond Sat, 14 May 2016 12:37:19 +0000 http://ficko-magazin.de/?p=568 Ich bin noch unentschlossen, ob dieses Interview mit Stefan Petzner, dem damaligen Spin-Doctor von Jörg Haider, der dafür aber immer noch auch erstaunlich unfalsche...

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Ich bin noch unentschlossen, ob dieses Interview mit Stefan Petzner, dem damaligen Spin-Doctor von Jörg Haider, der dafür aber immer noch auch erstaunlich unfalsche Dinge sagt, nicht doch zu alarmistisch ist. Aber: Wenn man sich die Fakten anschaut, muss man schon sehr eindringlich davor warnen, davon auszugehen, dass die ganze Scheiße, die sich uns jetzt schon darbietet und fast täglich schlimmer wird, dann noch von Gesetzesverschärfungen bestätigt wird und die noch viel übleren Umstände, die sich zusammenbrauen, von allein wieder weggehen. Ihr wisst, wie aus einem Sarrazin Hogesa + Pegida und daraus die AfD und der schlimmste Rechtsterrorismus seit Jahrzehnten wurde. Der bisher in diesem Jahr noch schlimmer ausfällt als noch 2015, wo es schon ein Rekordlevel an Anschlägen gab. Ihr wisst, wie die Polizei, Verfassungsschutz, Staatsanwaltschaften usw. rechten Täter_innen aller Art viel zu oft eine leichtfüßige, spielerisch-humanistische Freundlichkeit entgegenbringen, die bei Hakenkreuz und Hitlergruß immer noch keine Anhaltspunkte für rechtsextreme Hintergründe erkennt, während z.B. in Plauen die Organisator_innen der Anti-Nazi-Demo gerade davon bedroht sind, mit dem Terrorparagrafen 129a behandelt zu werden. Weil sie gegen Neonazis auf die Straße gingen.

Das ist wahrlich nicht neu, davon reden wir hier seit Jahren mehrmals pro Woche. Dafür wurde der Begriff des #Deutschlandproblems eingeführt. Auf internationaler Ebene sieht es auch nicht viel besser aus. Es gibt zwar auch einige unterrepräsentierte Ausnahmen und wie in Polen jüngst erfreuliche Gegenwehr, die hoffentlich Erfolg haben wird. Aber in Frankreich Le Pen, Großbritannien wählt sich vielleicht bald aus der EU, in Österreich die FPÖ, in Italien der immer noch lang nachwirkende Berlusconismus mit umfangreichen Verstrickungen von Mafiastrukturen und offen als Faschisten auftretenden Figuren, von Ungarns Voranschreiten in den Faschismus ganz zu schweigen. Die Schweizer SVP, die dänische Folkeparti und etliche weitere Beispiele machen seit Jahren ziemlich erfolgreiches Rechtsruckbusiness. In Brasilien wird kalt geputscht (http://www.heise.de/tp/artikel/48/48248/1.html), das Phänomen Trump ist bekannt, im Iran beginnt gerade die Holocaust-Karikaturen-Ausstellung (http://iraniansforum.com/eu/galerien-des-propagandaministeriums-stellen-holocaust-karikaturen-aus/ ) usw.

Mittlerweile chillaxen Dschihadisten stellenweise sogar easy mit Pegida-Leuten, auch das kann nicht ganz überraschend kommen: https://www.vice.com/de/read/erleben-wir-gerade-ernsthaft-eine-fusion-zwischen-pegida-und-salafisten + https://www.facebook.com/friedensdemowatch/photos/a.644425858945007.1073741828.644416022279324/1029424730445116/?type=3&theater

Man kann diese Liste sehr lang weiterführen. Zur Türkei und ihrem durchgeknallten Präsidenten wurde jetzt ja noch gar nichts gesagt. All das betrifft uns alle und wird uns noch mehr als nur einige Nerven kosten, wenn nicht endlich mal alle Gutmenschen, Antifaschist_innen, Fans von Humanismus, Liberalismus, Demokratie ihren Arsch hochkriegen und ge-mein-sam losmachen. Was übrigens ein Klacks wäre, wir brauchen nur einen Termin. Wieso zur Hölle gab es immer noch keine wirklich gut abgestimmten, bundesweiten Demos mit hunderttausenden Menschen? Die Leute gibt’s ja. Wieso wird da nicht mehr zusammengearbeitet? Es gehen auch in Kleinstädten regelmäßig bis zu tausende Menschen auf der Straße bei Naziaufmärschen. Wieso gibt es offensichtlich keine Leute, die die Gefahr erkennen, aber nicht dabei stehenbleiben, sondern dann auch bundesweit etwas tun? Das wäre doch alles keine Zauberei. Es ist nicht nur scheiße, nichts zu tun, es ist auch ganz schön gefährlich. Und es wird mit jeder Woche, die verstreicht, in der nichts zu den tödlichen Schüssen der Türkei auf Flüchtende aus Syrien gesagt wird, in der Rechtsterrorismus immer noch nicht auf der Agenda ganz oben steht, gefährlicher. Bis es zu spät ist. Heute kamen in Kärnten fucking 12.000 bewaffnete Neonazis zusammen, ohne Gegendemo – das wäre lebensgefährlich (http://www.heute.at/news/politik/Polizei-nahm-Soldaten-bei-Gedenken-die-Gewehre-ab;art23660,1288133). Ist das eine Perspektive, wollen wir in die Richtung weitergehen? Nö, ganz sicher nicht. Also auf, worauf warten wir?

“Becirovic: Also sehnen sich die Menschen nach einem »Führer«?

Petzner: Die Tendenz in diese Richtung wächst deutlich. Ich glaube, dass wir momentan eine zu kurzsichtige Diskussion führen – nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland. Die Frage lautet: Wie schaut es um den Bestand unseres demokratischen Systems, so wie wir es seit 1945 kennen, überhaupt aus? Ich befürchte, dass dieses System sich gerade in aktuer Lebensgefahr befindet. Ob man daran noch etwas ändern kann, weiß ich nicht. Derzeit sprechen alle Indikatoren dagegen. Immer mehr Menschen hinterfragen unser demokratisches System an sich – insbesondere in Zeiten wie diesen, in denen wir immer größer werdenden politischen Herausforderungen, ökonomischen Verwerfungen und gesellschaftlichen Problemen gegenüberstehen. In Österreich, europaweit, ja weltweit. Sei es nun die aktuelle Flüchtlingskrise oder die in Wahrheit bis heute ungelöste Finanzkrise – all das sind die großen Probleme, die große Entscheidungen abverlangen. Es stehen mitunter bahnbrechende Weichenstellungen und nötige große Umwälzungen an, die uns regelrecht dazu zwingen werden, unser gesamtes kapitalistisches und schuldenbasiertes Wirtschaftssystem auf den Kopf zu stellen. Denn es funktioniert schlichtweg nicht mehr. Obwohl wir das wissen, wollen wir es nicht wahrhaben. Vor allem unsere Politiker nicht. Es zweifeln immer mehr Menschen daran, ob unser derzeitiges demokratisches Parteiensystem all diese großen Umbrüche schultern kann. Diesen Zweifeln müssen wir uns stellen.

Becirovic: Zum Verständnis: Meinst du damit unsere repräsentative Demokratie?

Petzner: Genau, unsere repräsentative Demokratie – oder wie ich immer sage: unsere parlamentarische Parteiendemokratie, wie wir seit 1945 kennen. Glauben die Leute den Parteien und Politikern, dass diese überhaupt noch Herr der Lage sind? Ich sage »Nein«. Das Vertrauen schwindet. Es ist eine deutliche Entwicklung zu erkennen. Die Menschen wenden sich Stück für Stück von der Demokratie ab und stattdessen starken »Leadern« zu. Insofern ist ein Vladimir Putin – mit der Art, mit der er Russland führt – der Trendpolitiker der Zukunft.

Becirovic: Man kann das durchaus auch auf den türkischen Premier Erdogan ummünzen. Egal was man im Rest der Welt auch sagt, Erdogan gewinnt eine Wahl nach der anderen.

Petzner: Erdogans Erfolg bei Wahlen gründet bis heute auf dem gewaltigen Boom und wirtschaftlichen Aufstieg mit hohen Wachstumsraten, den die Türkei in seinen Anfangszeiten und jenen der AKP hingelegt hat. Doch Erdogan nutzte die daraus entstandene und bis heute andauernde Popularität dazu, um die Türkei langsam und schleichend in einen autoritären Staat umzuwandeln und die Demokratie auszuhöhlen. Richtig sichtbar wird das erst jetzt, geplant hat er es von Anfang an. Insofern sind Erdogan und die Türkei ein gutes Beispiel dafür, wie schnell es gehen kann. Die Frage ist: Wollen wir diesen Typus Politiker wie Putin oder Erdogan auch bei uns? Können wir die dahingehende Entwicklung überhaupt noch aufhalten? Wenn ich in Deutschland PEGIDA-Demonstrationen sehe, bei denen Transparente mit der Aufschrift »Putin hilf!« auftauchen, dann frage ich mich, welche Motive, Wünsche und Absichten bei den Demonstranten dahinterstecken. Warum hat Putin in westlichen Ländern wie Österreich und Deutschland derart viele Anhänger, Bewunderer und Unterstützer, dass sogar eine eigene Bezeichnung, die »Putin-Versteher«, für sie erfunden wurde? Dahingehend ist auch die Bundespräsidentenwahl bei uns eine Richtungsentscheidung – darüber, welchen Weg Österreich einschlagen soll. Das darf man nicht unterschätzen.”

form)
https://www.kopfumkrone.at/kabinett/petzner-es-riecht-nach-revolution-und-einem-neuen-fuehrer/
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Wer ein Interesse an der Zukunft der Menschheit hat, sollte das lesen http://ficko-magazin.de/wer-ein-interesse-an-der-zukunft-der-menschheit-hat-sollte-das-lesen/ http://ficko-magazin.de/wer-ein-interesse-an-der-zukunft-der-menschheit-hat-sollte-das-lesen/#respond Wed, 27 Apr 2016 13:40:35 +0000 http://ficko-magazin.de/?p=483 Was unter anderem das Problem mit dem FPÖ-Bundespräsidenten Hofer wäre, der sich in wenigen Wochen mit Alexander Van der Bellen der Stichwahl stellt, hat...

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Was unter anderem das Problem mit dem FPÖ-Bundespräsidenten Hofer wäre, der sich in wenigen Wochen mit Alexander Van der Bellen der Stichwahl stellt, hat Alexander Pollak hier erklärt. Wer nicht so in der österreichischen Politik bewandert ist, sollte das lesen. Wer insgesamt an Politik interessiert ist, sollte das lesen. Wer ein Interesse an der Zukunft der Menschheit hat, sollte das lesen. Ihr merkt, worauf ich hinauswill.

“Vielleicht habt ihr ja ein paar Minuten Zeit. Mir ist nämlich aufgefallen, dass viele nicht verstehen, warum ein Bundespräsident Hofer große Sorge macht. Warumwird jemand, der so freundlich und sanft auftritt, als negativer Dammbruch empfunden? Ich will versuchen, es anhand einiger Punkte kurz zu erklären. Bin auf Eure interessanten Rückmeldungen gespannt:

– Zuallererst einmal ist es nicht egal, wer Bundespräsident wird. Der österreichische Bundespräsident hält nicht nur Fernsehansprachen. Er vertritt Österreich nach innen und nach außen. Und er hat viel weitreichendere Befugnisse als viele ahnen. Er kann, wenn er das will, die österreichische Demokratie für einige Zeit lahm legen. Ein einmal gewählter Bundespräsident ist für die Dauer von 6 Jahren nahezu unabsetzbar.

– Norbert Hofer ist Ehrenmitglied einer deutschnationalen schlagenden Burschenschaft. Er steht seinen Burschenschafterkameraden in der Pflicht. Er wäre somit als Bundespräsident Türöffner für Männerbünde, die oftmals ein sehr problematisches Weltbild pflegen. Nicht nur schließen diese Bünde Frauen aus. Sie treten oft auch für eine radikale Trennung von Menschen entlang von Herkunft, Hautfarbe und Religionszugehörigkeit ein. Unter Hofer würden sich die Vertreter schlagender Verbindungen nicht mehr nur einmal im Jahr am so genannten „Akademikerball“ die Klinke der Hofburg in die Hand geben, sondern sie wären permanent in der Hofburg vertreten,

– Der FPÖ-Kandidat bewegt sich seit vielen Jahren tagtäglich in einem Umfeld, in dem Rassismus salonfähig ist. Seine Parteifreunde unterstützen mittels Inseratschaltungen Magazine, in denen unverhohlen über eine „Judaisierung der Welt“ philosophiert und vor „Rassenmischung“ gewarnt wird. In solchen Magazinen wird von der FPÖ auch für Hofer geworben.

– Hofer ist darüber hinaus eng verbunden mit Personen wie etwa Johann Gudenus, die Europa als „die Wiege der Weißen“ bezeichnen und die Forderung nach einem „Bekenntnis dazu, dass Europa ‚weiß’ ist“ erheben. Die Sorge, dass Hofer alles dafür tun wird, um Leute wie Gudenus in Machtpositionen zu bringen, ist nicht unbegründet.

– Hofer steht darüber hinaus für eine Wiederkehr des Nationalismus in Europa. Dass die Europäische Union sehr viele Schwachpunkte hat, ist unbestritten. Eines hat die Union jedoch geschafft, und das sollte nicht zu gering geschätzt werden: Seit Jahrzehnten wurde kein Krieg mehr unter den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union geführt. Das hat es davor in Europa noch nie gegeben. Noch nie. Ein Bundespräsident, der die Europäische Union sprengen und durch radikalen Nationalismus ersetzen will, könnte Wegbereiter zu einer Rückkehr der Kriege sein.

– Österreich ist heute nur deshalb eine Demokratie und ein Land, in dem es Freiheiten gibt, weil die Nazis besiegt wurden. Es ist absolut unverständlich und höchst befremdlich, dass sich Hofer auf eine konkrete Nachfrage weigerte, den Tag der Kapitulation der Nazis als Tag der Freude zu bezeichnen. Das offenbart ein mehr als eigenartiges Verhältnis zur Geschichte und zu einem Österreich der Demokratie, der Freiheit und der Menschenrechte.

Das freundliche Auftreten und die sanfte Stimme von Norbert Hofer wurden vielfach positiv aufgenommen. Am Ende des Tages geht es jedoch nicht um eine Casting-Show für das freundlichste Auftreten, sondern um die Besetzung einer politischen Machtposition – mit weit reichenden Konsequenzen.

Die Antwort auf eine schwache Bundesregierung sollte meiner Ansicht nach kein Dammbruch in Richtung deutschnationaler Männerbünde, gesellschaftlicher Spaltung und radikalem Nationalismus sein.

Es genügt, der Regierung einen besonnenen, erfahrenden und in Volkswirtschaftsfragen kompetenten Mann vor die Nase zu setzen, der nicht aus ihren Reihen kommt.”

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PIPAPO – Postapokalyptische Illuminaten pür abendländische Panikorientierung http://ficko-magazin.de/pipapo-postapokalyptische-illuminaten-puer-abendlaendische-panikorientierung/ http://ficko-magazin.de/pipapo-postapokalyptische-illuminaten-puer-abendlaendische-panikorientierung/#respond Fri, 25 Mar 2016 13:00:23 +0000 http://ficko-magazin.de/?p=699 2014 tauchten immer mehr politische Bewegungen mit Akronymen an der Oberfläche auf. Wir wollten dort natürlich nicht hintanstehen und beteiligten uns mit wochenlanger Agitierung,...

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2014 tauchten immer mehr politische Bewegungen mit Akronymen an der Oberfläche auf. Wir wollten dort natürlich nicht hintanstehen und beteiligten uns mit wochenlanger Agitierung, die Anfang Januar 2015 im Start einer Massenbewegung kulminierte. Seitdem ist alles super.

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Das Heidelberger Manifest von 1981 – Die Vorläufer von Sarrazin waren schon immer Professoren http://ficko-magazin.de/das-heidelberger-manifest-von-1981-die-vorlaeufer-von-sarrazin-waren-schon-immer-professoren/ http://ficko-magazin.de/das-heidelberger-manifest-von-1981-die-vorlaeufer-von-sarrazin-waren-schon-immer-professoren/#respond Sat, 20 Feb 2016 14:21:02 +0000 http://ficko-magazin.de/?p=573 Aha! Das sogenannte Heidelberger Manifest von 1981. Allerlei bürgerliche Professoren-Rassisten greifen Sarrazin vor, der wiederum die jetzigen Zustände ermöglichte. Sehr interessante Aussagen, die das...

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Heidelberger Manifest

Aha! Das sogenannte Heidelberger Manifest von 1981. Allerlei bürgerliche Professoren-Rassisten greifen Sarrazin vor, der wiederum die jetzigen Zustände ermöglichte. Sehr interessante Aussagen, die das #Deutschlandproblem in seiner jüngeren Vergangenheit erhellen. Lest euch das mal durch und fragt euch, ob euch das nicht bekannt vorkommt.

“Unser Problem sind nicht die Gastarbeiter schlechthin, sondern ihr asiatischer Anteil. […] Wenn man das Spezialproblem Süditalien ausklammert, so kann man feststellen, dass die aus dem europäischen Raum zu uns kommenden Gastarbeiterfamilien nach ihrer Fertilität, ihrem kulturellen, soziologischen und religiösen Kontext Aussicht auf Akkulturation bieten […]. Auf die Asiaten trifft all das nicht zu.”

Wikipedia:

“Die Originalfassung des Heidelberger Manifestes wurde am 17. Juni 1981 von Schröcke verfasst[4] und von insgesamt 15 Hochschulprofessoren unterzeichnet. Neben den Professoren Schmidt-Kaler und Schröcke waren die unterzeichnenden Professoren: Manfred Bambeck (Frankfurt), Rolf Fricke (Karlsruhe), Karl Georg Götz (Stuttgart), Werner Georg Haverbeck (Vlotho), Joachim Illies (Schlitz), Peter Manns (Mainz), Theodor Oberländer (Vertriebenenminister der Bundesrepublik Deutschland a. D.), Harold Rasch (Frankfurt), Franz Hieronymus Riedl aus Österreich, Heinrich Schade (Düsseldorf), Kurt Schürmann (Mainz), Ferdinand Siebert (Mainz) sowie Georg Stadtmüller (München).”
https://de.wikipedia.org/wiki/Heidelberger_Manifest

Zitat Manifest:
“Mit großer Sorge betrachten wir die Unterwanderung des deutschen Volkes durch Zuzug von Millionen von Ausländern und ihren Familien, die Überfremdung unserer Sprache, unserer Kultur und unseres Volkstums. Allein im Jahre 1980 hat die
Zahl der gemeldeten Ausländer trotz Anwerbestop um 309 000 zugenommen, davon 194 000 Türken. Gegenüber der zur Erhaltung unseres Volkes notwendigen Zahl von Kindern werden jetzt jährlich kaum mehr die Hälfte geboren. Bereits jetzt sind viele Deutsche in ihren Wohnbezirken und an ihren Arbeitsstätten Fremdlinge in ihrer eigenen Heimat. Der Zuzug der Ausländer wurde von der Bundesregierung aus Gründen des heute als fragwürdig erkannten hemmungslosen Wirtschaftswachstums gefördert.
Die deutsche Bevölkerung wurde bisher über die Bedeutung und Folgen nicht aufgeklärt. Sie wurde auch nicht darüber befragt. Deshalb rufen wir zur Gründung eines parteipolitischen und ideologisch unabhängigen Bundes auf, dessen Aufgabe die Erhaltung des deutschen Volkes und seiner geistigen Identität auf der Grundlage unseres christlich-abendländischen Erbes ist. Auf dem Boden des Grundgesetzes stehend, wenden wir uns gegen ideologischen Nationalismus, gegen Rassismus und gegen jeden Rechts- und Linksextremismus.”

(form) via Martin Seeliger
http://www.nadeshda.org/archiv/antifa/hmanwo.pdf

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Judith Butlers Gender Theorie als 8-Bit! http://ficko-magazin.de/judith-butlers-gender-theorie-als-8-bit/ http://ficko-magazin.de/judith-butlers-gender-theorie-als-8-bit/#respond Thu, 11 Feb 2016 19:17:14 +0000 http://ficko-magazin.de/?p=389   “Even a hundred years ago it was perfectly normal for girls to have body hair and for boys to wear pink dresses. Norms...

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Screen Shot 2016-03-06 at 20.18.48

 

“Even a hundred years ago it was perfectly normal for girls to have body hair and for boys to wear pink dresses. Norms have changed with society.”
Dieses Video macht schlau in wenigen, nostalgischen Minuten. Es fasst das Konzept von Gender Performance nach Judith Butler zusammen und ermöglicht es, anschließend lässig an Diskussionen über Identität und Geschlechterrollen teilzunehmen. Yeah! Deine kurze Aufmerksamkeitsspanne ist keine Ausrede mehr.

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