#1 Männlichkeit und Machtverhältnisse in heterosexuellen Beziehungen

Von Männern und ihrer Angst sich hinzugeben

Wieso werden Frauen in heterosexuellen Beziehungen zu Mamis für ihre Partner? Warum passiert das auch Leuten, die sich als feministisch und links verstehen? Was hat das alles mit Männlichkeit zu tun? Und wie zur Hölle kann sich das ändern? Ann-Madeleine Tietge hat dazu geforscht und erzählt, was sie dabei herausgefunden hat.

Dr. Ann-Madeleine Tietge ist Psychologin und angehende Psychotherapeutin. Ihre Dissertation “Make Love, Don’t Gender!? Heteronormativitätskritik und Männlichkeit in heterosexuell definierten Paarbeziehungen” erschien kürzlich bei Springer VS.
Bilke ist Psychologin und seit ca. 37 Jahren Redakteur_in bei FICKO. Ihre Themen sind sexualisierte Gewalt, Männlichkeit, Psychotherapie & manchmal Klassismus. Podcasts aufnehmen muss sie noch ein bisschen üben.

2 Comments

  • Antworten August 18, 2019

    Justus

    Voll toll, danke.
    Zeit, mal wieder seine eigenen Privilegien zu checken.
    Konnte mich mit dem Mutter-Sohn-Konstrukt in Beziehungen gleich identifizieren, verdammt.
    Für mehr commitment <3

  • Antworten September 2, 2019

    Felix Riedel

    Ein interessantes Interview, aber für vieles sehe ich keine Evidenz und an einigen Stellen streicht es den eigenen Anspruch, feministische Beziehungen zu fördern, durch, indem es gerade solche Beziehungen nicht in ihrer Dialektik versteht, sondern lediglich fordert, dass Männer sich “zum Objekt” machen sollen.

    1. Wird Sexualität und Ökonomie zu stark vermischt. Ein Patriarch kann masochistisch sein und die Domina besuchen, während er im Beruf Frauen unterdrückt. Ein Feminist kann eine sadistische Position einnehmen und umgekehrt.
    Das gleiche für patriarchale Frauen oder Feministinnen.
    2. Wird die Sexualwerbung außer Acht gelassen. Die ist aber die stärkste Triebkraft für dominantes oder passives Alltagsverhalten. Während auch die passive Frau zu Partnerschaft kommen kann, weil sie in historisch codifizierte Sexualwerbung passt, wird der passive Mann (nicht zu verwechseln mit dem narzisstischen) keine oder kaum Aussicht auf Einwerbung von Sex haben, weil erwiesenermaßen bei Frauen auch in feministischen Kontexten eine viel krassere Auswahl von Geschlechtspartnern nach dem Aussehen und sekundären phallischen Attributen (Leistung, Gewitztheit, die angebliche “Sapiosexualität”) stattfindet. Kurzum: auch Feministinnen gehen kaum/selten auf passive Männer zu und durch Sexualwahl tragen Frauen wesentlich zur Erziehung von Männern zum Mackertum bei.

    Was das “Fan”-Sein angeht, es gibt das Anhimmeln eigentlich als Massensyndrom von pubertierenden Jungen, die Frauen anhimmeln ohne je in die Aktivität zu gehen und ohne ihre eigene Hingabe (das buchstäbliche sich-in-den-Staub-werfen) mit einer Aktivität beantwortet zu sehen. Groupies haben hingegen einen erheblichen Gegenwert (narzisstisch, sexuell) und weisen erhebliche, teilweise manipulative Aktivität auf, sie sind gewiss nicht nur passive Bewunderinnen, sondern die Bewunderung ist Mittel zum Zweck.

    3. Das Bild vom Mann als Kümmerer und Versorger ist doch das patriarchale Urbild schlechthin, das übrigens von feministischen Frauen bis in die Beziehung hinein eingefordert wird. Ein abhängiger Mann, der zu Hause bleibt und sich um das Kind kümmert und nicht lohnarbeitet wird aus feministischer Perspektive ebenso leicht als Pascha oder Ausbeuter der Frau wahrgenommen oder hier als “Bemutterter”. Unterschiedliche Hygienezwänge, Sauberkeitsvorstellungen kommen dann dazu, dass Männer heftigstem Druck gerade von Feministinnen ausgesetzt sind, eine Frauenrolle einzunehmen, die bei Frauen als reaktionär gelten würde. Das Problem ist doch dann, dass Frauen ihre internalisierten Ansprüche an Hygiene von Männern erwarten und sich dann in passive Aggressivität flüchten, also eben selbst putzen. Aber der Anspruch ist kein anderer als der von Patriarchen, die nach Hause kommen, und erwarten, dass jetzt bitteschön der Abwasch gemacht ist oder dass das Bad glänzt. Ein Mann wird aber insgesamt die durchaus ambivalent-komfortable Rolle des Heimchens nur unter extremen Ausnahmefällen wahrnehmen können, weil er eben die gleiche miese Rente wie Frauen in seiner Situation hat, aber darüber hinaus keinerlei patriarchale Boni, wie Frauen sie genießen (Frauenbonus, Frauengemeinschaft), sondern alleine dasteht. Historisch gab es das durchaus, z.b. beschrieben in Engels “arbeitende Klasse von England”.

    Über die Hingabe und das zum-Objekt-machen: Männer wurden über Jahrtausende hinweg in diese Objektposition hineingedrängt: Sie sollen sich aufopfern, in Arbeit und Kriegen vernichten, um in der Rhetorik Frau und Kind zu Hause zu verteidigen.

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