„Nicht dass die uns noch die Wohnung verwüsten!“ – Ein Erfahrungsbericht zum Rassismus von Vermieter:innen

Seit mehr als zehn Jahren besteht unsere WG in einer Stadt im Rhein-Main-Gebiet. Die Bewohner haben, wie in jeder WG, natürlich über die Jahre gewechselt. Es gab bisher nie Ärger mit den Vermietern. Diese hatten ursprünglich eine Hausverwaltung eingestellt, waren dann wohl aber zu geizig, dafür zu zahlen, und übernahmen die Verwaltung selbst.

Aktuell wohnen mehrere Leute, alle gemeldet, und mit geregelten Arbeitsverhältnissen, in der WG. Fünf von uns haben ein abgeschlossenes Studium, der sechste studiert noch. Vier von uns, so auch ich, haben einen Migrationshintergrund.

Diese Woche kam ein Anruf auf unser Festnetztelefon, wo sonst nie jemand anruft. Unser neuer Mitbewohner, der aus Indien kommt und ein paar Jahre die Welt bereisen wollte, ging ran. Er kann noch kein Deutsch und spricht daher in Deutschland meistens Englisch. Am Telefon war der Vermieter. Er fragte als Erstes, wer unser Mitbewohner überhaupt sei und ob er ein Visum und einen Job habe. Außerdem sagte er, es sei nicht in Ordnung, dass jemand aus Pakistan illegal hier leben würde. Unser Mitbewohner ist ordnungsgemäß gemeldet und arbeitet bei einem großen Fernsehsender als IT-Spezialist. Das sollte eigentlich nicht im Fokus stehen, aber spielt eine Rolle, weil der Vermieter in einem späteren Telefonat mit mir behauptete, es seien vier illegale Bewohner in der Wohnung und es gehe nicht, dass die Wohnung zu einem Flüchtlingsheim würde. Ich versicherte ihm ruhig, dass dies nicht der Fall sei. Er fragte, ob ich denn arbeiten würde. Als ich ihm sagte, dass ich ein festes Angestelltenverhältnis habe, meinte er: „Das ist ja schon mal was“. Es seien jedoch nur zwei der Bewohner unserer WG – die mit den deutschen Namen – „bei uns“ gemeldet, daher würde er sich vorbehalten, die WG aufzulösen. Angeblich hätten er und seine Frau zu keinem Zeitpunkt die Mietverträge von den anderen vier Bewohnern erhalten. Diese haben wir aber alle eingereicht und uns auch alle bei der Stadt gemeldet.

Zusätzlich hätten wir aber die Miete nicht überwiesen, und das sei definitiv ein Grund, das Mietverhältnis aufzulösen. Außerdem wolle man verhindern, dass die Wohnung verwüstet werde. Offenbar gehen die Hausbesitzer davon aus, dass sich alle, die einen ausländischen Namen haben, illegal und arbeitslos im Land befinden, weder lesen noch schreiben können und außerdem natürlich im Dreck leben und alles zerstören. Klar, wir kochen mit offenem Feuer im Hausflur, das bringt halt der ausländische Name mit sich…

Wir haben in der WG abgesprochen, dass der Mitbewohner mit deutschem Vor- und Nachnamen die Verhandlungen übernimmt, da das Hausbesitzerehepaar nur mit ihm ein Gespräch auf Augenhöhe führen zu können scheint. Ich habe allerdings noch eingeworfen, dass man sich im Notfall juristische Hilfe holen kann. Nun ist eine Nachricht vom Vermieter gekommen: Man habe den Nachweis für unsere Mietüberweisung gefunden. Man habe vorher nur nicht richtig hingeschaut.

Wir gehen auf jeden Fall zum Mieterschutzbund.

Es ist ein Skandal, dass der Rassismus von Vermieterinnen darüber mitbestimmt, für wen Wohnraum – in Städten ohnehin knapp – verhältnismäßig leicht zu bekommen ist, und für wen nicht.

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